Freitag, 26. Juni 2026
endlich passt das Wetter
Samstag, 27. Juni 2026
Pferde, Lavaburg und Schlucht
Sonntag, 28. Juni 2026
außen rum statt quer hindurch
Freitag, 26. Juni 2026
endlich passt das Wetter
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Wetter
Temperatur 12 - 15°C ● wolkig ● mittlerer Wind ● leichte Schauer
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Wegstrecke
Auto: 297 km / zu Fuß: 5 km
Heute war der erste Quartierwechsel und somit Reisetag auf meiner Reise 2026. Es ging von Reykjavík hoch in den Norden. Ich hatte dort eigentlich nur ein Ziel, den Basaltfelsen Hvítserkur. Den wollte ich sehen und fotografieren. Und zwar mit Blick über die Bucht, in der der Felsen steht. Ich war in den drei letzten Jahren auf der Rücktour immer in der Gegend vorbeigekommen. Aber immer war das Wetter nicht so, wie ich das gewünscht hatte. Es regnete zwar nur gelegentlich, aber es war jedes mal nebelig. Und so hatte ich mir jedes mal den Weg von zweimal 30 km gespart und auf eine bessere Gelegenheit gehofft.
Deshalb hatte ich nun zwei Übernachtungen in der Nähe eingeplant. Somit hatte ich ein Zeitfenster von anderthalb Tagen, da sollte es doch endlich klappen!
Gleich zu Beginn der Fahrt besuchte ich noch die Bäckerei Brauð & Co in der Frakkastígur und kaufte eine der berühmten Zimtschnecken und ein weiteres Teil als Reiseproviant.
Dann verließ ich Reykjavík und fuhr über die Ringstraße in Richtung Norden. Kurz hinter Borgarnes machte ich einen kurzen Fotostopp an der Kirche in Borg á Mýrum.
Borg á Mýrum war der Hof von Skallagrímr Kveldúlfsson. Das war der Sohn des Kveldúlfr Bjálfason, der im 9. Jahrhundert nach einer Auseinandersetzung mit dem König aus Norwegen flüchtete. Auf der Reise wurde Kveldúlfr allerdings schwer krank und befahl seinem Sohn, er solle nach seinem Tod seinen Sarg über Bord werfen und wo er an Land komme, soll Skallagrímr Kveldúlfsson seinen Hof errichten.
Die Egils Saga spielt größtenteils in Borg á Mýrum. So befindet sich nahe der Kirche auch eine Skulptur von Egill Skallagrímsson aus der Egils Saga. Sie stellt Egill mit seinem verstorbenen Sohn dar und bezieht sich auf sein tiefes Trauergedicht Sonatorrek.
Die heutige Kirche Borgarkirkja wurde 1880 aus Treibholz erbaut und ist eine Seltenheit aufgrund ihrer im Widerspruch zu traditionellen Kirchen gewählten Nord-Süd-Ausrichtung. Sie wurde 1990 zu einem Nationaldenkmal ernannt,
Dann ging die Fahrt Richtung Norden weiter. Ich war diesen Teil der Ringstraße über die Holtavörðuheiði schon oft gefahren und ich lag gut in der Zeit. Deshalb wählte ich einen Umweg, um eine neue Gegend zu erkunden. Ich bog in die Vestfjarðavegur (Straße 60) ab, die in Richtung der Westfjorde führt. Von da wollte ich dann über die Laxárdalsvegur (Straße 59) und Innstrandavegur (Straße 68) wieder zurück zur Ringstraße.
Die Straße 60 führt zunächst auch über den Höhenzug, um dann wieder herunter Richtung Búðardalur zu führen. Unten angekommen, machte ich einen kurzen Stopp bei der Molkerei Rjómabúið Erpsstaðir. Hier werden selbstproduzierte Produkte wie Skyr und Käse angeboten. Auch Eis kann man hier kaufen. Außerdem wird auf Infotafeln über die Geschichte und die Produktion von Skyr informiert.
Nach der Weiterfahrt bog ich dann in die Straße 586 Richtung Eiríksstaðir ab. Das ist eine der wichtigsten archäologischen Ausgrabungsstätten in Island. Hier wurden die Überreste eines Langhauses aus der Wikingerzeit erforscht. Dieses Haus gilt als Heimat von Erik dem Roten. Eine Rekonstruktion des Langhauses ist heute Teil eines Museums. Angesichts des Eintrittspreises von über 20 Euro und der Tatsache, dass wir 2016 schon das Wikingerhaus in Þjóðveldisbær besichtigt hatten, habe ich aber Abstand genommen.
Theoretisch hätte auch die Möglichkeit bestanden, der Straße 586, die später zur F586 wird, bis an den Hrútafjörður zu folgen. Aber die Straße war gesperrt. Also fuhr ich wieder zurück zur Straße 60.
Ich folgte der Straße 60 noch ein paar Kilomter nach Norden und bog dann rechts in die Straße 59 ein. Diese führt bis zum Hrútafjörður, wo sie in die Straße 68 mündet. Ein Teilstück der Straße 59 ist noch nicht asphaltiert, aber gut befahrbar.
Auf der Straße 68 ging es dann wieder nach Süden, bis diese in der Nähe der Tankstelle/Raststätte N1 Staðarskáli wieder in die Ringstraße mündet. Nach einem Tankstopp ging es dann weiter nach Norden. Nach 35 Kilometern wechselte ich auf die Straße 711, welche eine Schotterpiste ist. Sie führt stetig nach Norden.
Unterwegs machte ich am See Vesturhópsvatn einen Stopp an einem Stein mit einer Inschrift.
In Breiðabólstaður in Vesturhóp wurden die ersten Gesetze Islands aufgezeichnet. 1117-1118
Weißer Kittel
Nach 30 km auf der Straße 711 kam ich schließlich zum Hvítserkur, wo es einen gebührenpflichtigen Parkplatz gibt. Auf dem Weg dorthin war ich bereits an meinem nächsten Quartier vorbeigekommen.
Hvitserkur ist ein etwa 15 Meter hoher Basaltfelsen, welcher aus der Bucht Húnafjörður ragt. Er ist aber nur maximal zwei Meter dick. Der Felsen dient als Nistplatz für Möwen, Krähenscharben und Eissturmvögel. Da er nur wenige Meter vom Ufer entfernt ist, kann er bei Ebbe auch zu Fuss erreicht werden. Auf Isländisch bedeutet Hvitserkur so viel wie ‚weißer Kittel‘ oder ‚weißes Hemd‘ als Anspielung auf den weißen Vogelkot, der den Felsen überzieht.
Und selbstverständlich gibt es auch eine Geschichte, wie der Hvítserkur hier an die Ostküste der Halbinsel Vatnsnes kam.
Vor langer Zeit versuchte ein Troll das Kloster Þingeyrar, das sich in etwa vier Kilometer Entfernung am anderen Ufer des Húnafjörður befand, mit Steinen und Felsbrocken zu bewerfen. In seinem Zorn achtete er nicht auf den Sonnenaufgang und so erstarrte er im Sonnenlicht zu Stein. Seitdem steht der arme Troll im Wasser des Húnafjörður.
Dieses Kloster gibt es übrigens nicht mehr, an seiner Stelle steht heute die Kirche Þingeyrakirkja, die ich am nächsten Tag besuchen würde.
Doch zurück zu meiner Reise. Ich lief vom Parkplatz zur Aussichtsplattform, die sich oberhalb des Felsens befindet. Von dort hat man einen herrlichen Blick über den Felsen und den dahinter liegenden Fjord. Genau wegen dieses Blickes war ich gekommen, weil die letzten Jahre das Wetter immer verhangen war.
Man kann auf – inoffiziell – zum Strand herunterkrabbeln. Aber der Pfad war sehr steil und rutschig, die Besucher, die ich dort sah, mussten sich auch mit den Händen immer wieder am Hang abstützen. Dies alles war mit meiner fehlenden Trittsicherheit und der teuren Kamera nicht kompatibel.
Ich sah aber Menschen, die unten am Strand aus Richtung Süden angelaufen kamen. Deshalb lief ich zurück zum Parkplatz und folgte dem von dort ausgehenden Weg, der langsam abfallen nach Süden führte. Auf halben Weg drehte ich aber doch um, es war noch ein ganzes Stück bis unten, dann musste man die ganze Strecke auf dem steinigen Strand wieder zurück zum Hvitserkur laufen. Und wieder zurück musste man ja auch noch. Und wenn die Flut kommen würde?
Also ging es wieder zum Parkplatz. Meine gewünschten Fotos, auf die ich jahrelang warten musste, hatte ich ja im Kasten. Ziel erreicht!
Unter Deutschen
Dann fuhr ich die knapp 10 Kilometer wieder nach Süden bis zum Hótel Hvítserkur. Und dazu gab es eine Vorgeschichte: ich kannte das Hotel und seine Besitzer bereits. Und zwar aus dem Fernsehen. Im letzten Jahr (2025) gab es im ZDF eine Dokumentation in der Reihe ‚Abenteuer Auswandern‘. Und diese trug den Titel ‚Island ruft: Neuanfang zwischen Feuer und Eis‚. Die Sendung sollte noch in der ZDF-Mediathek zu finden sein.
Und dort wurden neben anderen deutschen Auswanderern auch die beiden Besitzer des Hotels und der angrenzenden Farm Þorfinnsstaðir, Kathi & Alex, ausführlich vorgestellt.
Dass ich aber dort mein Quartier hatte, war Zufall. Katla Travel hatte das Hotel herausgesucht, ich hatte ja wie immer nur grob die Gegend angegeben. Aber als ich im Angebot den Namen las, kam er mir gleich bekannt vor.
Ich will hier nicht mit Informationen um mich werfen, alles Wissenswerte findet man auf der Webseite und in der ZDF-Doku.
Aber die beiden waren nicht die einzigen Deutschen, denen ich im Hotel begegnete. Schon beim Einchecken machte ich Bekanntschaft mit einem weiteren jungen Deutschen, der den beiden nach Island gefolgt war.
Ja, Island ruft. Und wohl kaum einer kann das so sehr nachvollziehen wie ich 😉
Das Hotel ist ein typisches Landhotel mit allem Erforderlichen. Es gibt Zimmer mit Gemeinschaftsbad und mit privaten Bad. Dazu auch einen großen Gemeinschaftsraum, der am Morgen als Frühstücksraum und am Abend als Restaurant dient.
Samstag, 27. Juni 2026
Pferde, Lavaburg und Schlucht
-
Wetter
Temperatur 11 - 13°C ● bewölkt, Schauer ● mittlerer Wind
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Wegstrecke
Auto: 100 km / zu Fuß: 4 km
Der Morgen begann mit einem gemütlichen Frühstück, bei dem ich nun auch Alex kennenlernen durfte. Wir kamen ins Gespräch und er erzählte mir einiges über seinen Weg bis nach Island. Und auf meine Bitte bekam ich dann auch eine persönliche Führung über die Farm, wo ich dann auch Kathi kennenlernte.
Vielen Dank nochmals!
Sehr interressant fand ich unter anderem, dass die Farm zuvor eine Schafsfarm war und von den beiden zur Pferdefarm umgebaut wurde. Die Schafe standen dabei auf Bretterrosten, unter denen sich die Exkremente sammelten. Diese Roste wurden entfernt und finden sich in ansehnlichen Zustand versetzt jetzt an verschiedenen Stellen im Hotel wieder.
Lava-Festung
Dann setzte ich mich wieder ins Auto, um noch etwas Natur zu schnuppern. Direkt am Hotel zweigt die Straße 717 von der Straße 711 ab. Ich nahm diese Straße, um zu meinem ersten Ziel zu gelangen. Unterwegs gab es noch einen historischen Ort direkt an der Straße. Von hier gab es auch beeindruckende Rundblicke in die weite Landschaft.
Dann ragte steil vor mir das erste Ziel auf – die Festung Borgarvirki. Es gibt nicht viele alte Festungen in Island, diese ist geschätzt um die 1.000 Jahre alt.
Die Festung steht auf einem vulkanischen Kegel. Die natürlich vorhandenen Basaltsäulen wurden verstärkt und somit ein guter Schutz aufgebaut. Aufgrund der exponierten Lage bietet sich von hier ein perfekter Rundumblick über die Gegend. Borgarvirki selbst ist 10-15 Meter hoch und liegt 177 Meter über dem Meeresspiegel.
Stufen führen hinauf auf Borgarvirki, gesäumt von abgestürzten Steinen. Teile der steinernen Mauern und der Eingang wurden 1949-1950 rekonstruiert.
Am Canyon
Dann fuhr ich weiter über die Straßen 717 und 716, dann ein kurzes Stück die Ringstraße nach Norden und dann über dei Straße 715 zum Koluglúfur. Hier bin zwar bereits 2023 gewesen, hatte aber auf einer langen Tagestour nur kurz ein paar Fotos vom Wasserfall Kolufossar gemacht. Nun wollte ich mich etwas weiter umsehen.
Kolugljúfur ist eine relativ kleine, aber dennoch beeindruckende Schlucht am Fluß Víðidalsá. Sie wurde nach der Riesin Kola benannt. Kola ist eine Figur aus der isländischen Folklore, diein dieser Gegend lebte mit ihrer Hand Lachse aus dem Fluss fischte.
Dieses mal fotografierte ich nun nicht nur den Wasserfall, sondern fief auch ein Stück an der Schlucht entlang. Der Fluß beeindruckte auch hier mit seinem klaren, türkisfarbenen Wasser.
Steinkirche
Noch ein drittes Ziel hatte ich mir für diesen Tag gewählt. Zurück auf der Ringstraße fuhr ich Richtung Blönduós, um auf halbem Weg links in die Straße 721 abzubiegen. Diese passiert nach 6 Kilometern eine steinerne Kirche, der Þingeyrakirkja, auch Þingeyrarklausturskirkja genannt. Die Kirche steht auf der Landzunge Þingeyrarsandur, die zwischen der Bucht Húnaflói und der Lagune Hóp liegt. An dieser Stelle wurde 1133 das erste Kloster Islands errichtet. Die heutige Kirche wurde in den Jahren 1864 bis 1877 erbaut.
Hier setzte dann der angekündigte Regen ein, deshalb machte ich mich auf den Weg zurück zum Hotel.
Lecker Landküche
Am Abend habe ich dann im Hotel gegessen. Ich gönnte mir die Suppe des Tages und ein Lammgericht. Dazu ein Bier. Aber kein normales. Nein, nach der Aufschrift handelte es sich um einen Zaubertrank!
Nach dem Essen kam ich noch mit deutschen Touristen ins Gespräch. Ich konnte noch ein paar Tipps geben. Und es war eigentlich wie immer: alle sind von Island begeistert.
Menü für Interessierte
- Kartoffelcremesuppe
(Soup of the day)
(2.150 ISK / ca. 14,85 €) - Lamb chops
Lammkoteletts, Rosmarinkartoffeln mit Gemüse, dunkler Soße und Kräuterbutter
(4.400 ISK / ca. 30,40 €) - Bier
(1.700 ISK / ca. 11,75 €)
8.250 ISK
56,90 Euro
Sonntag, 28. Juni 2026
außen rum statt quer hindurch
-
Wetter
Temperatur 10 - 15°C ● bewölkt, gelegentlich Schauer ● mittlerer Wind
-
Wegstrecke
Auto: 346 km / zu Fuß: 3 km
Heute ging es zu meinem Hauptquartier, welches im Golden Circle lag. Ich hatte eigentlich vor, über die Kjölur (Straße 35) in den Süden zu fahren. Ich habe mich aber kurzfristig dagegen entschieden. Gründe bzw. Ausreden 😉 gab es einige:
- das Wetter sollte nicht gut sein, es war mit einer matschigen Piste zu rechnen
- ich war mit einem Gast ins Gespräch gekommen, der den Straßezustand schlecht nannte
- ich wollte vom Süden her ohnehin noch einmal über die Piste in Richtung Kerlingarfjöll…
- …und der nördliche Teil war bis auf Hveravellir für mich auch nicht so attraktiv
Fehlanzeige
Außerdem hatte ich vorher ein eigenartiges Problem mit dem Auto. Nach dem letzten Tanken zeigte die Tankanzeige zunächst einen vollen Tank. Nach einem Stopp 65 km weiter war der Tank angeblich nur noch halb voll. Zwei Stunden später waren dann noch etwa 75% drin. Am nächsten Tag war der Wert wieder plausibel.
Ich habe dies jedenfalls dokumentiert und bei der Rückgabe des Autos auch gemeldet.
So aber nahm ich nun den Weg über die Ringstraße in Richtung Süden. Dort sollte das Wetter auch ganz passabel sein.
Ich fuhr also die Straße 711 nach Süden bis zur Ringstraße, hier gab es Nieselregen und das Auto sah bald aus wie Sau. Ich folgte der Ringstraße entlang des Hrútafjörður und über die Holtavörðuheiði. Südlich des Passes wurde das Wetter etwas besser, zumindest gab es keinen Regen mehr.
An der N1-Tankstelle Baulan, also etwa 20 Kilometer vor Borgarnes, nutze ich die Gelegenheit, das Auto zu waschen. Dort gibt es eine der kostenlosen Waschbereiche mit den wasserspritzenden Besen.
Dann ging es weiter nach Borgarnes. Im örtlichen nettó-Supermarkt füllte ich meine Verpflegungsvorräte auf. Da ich im Ferienhaus eine kleine Küche haben würde, besorgte ich mir auch Fertiggerichte für die Mikrowelle. Aber natürlich nur isländische Gerichte, z.B. Lammsuppe, und Fischsuppe. Aber auch Fischbuletten nahm ich mit.
Da es um die Mittagszeit war, beschloss ich, Essen zu gehen. Nachdem das erste ausgewählte Restaurant leider erst 16 Uhr öffnete, wählte ich das Englendingavík, welches ganz im Süden von Borgarnes in der Nähe des Landnahmezentrums liegt.
Hier gab es als ‚Fish of the Day‘ leckere Fish&Chips, genau mein Ding.
Am See
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Úlfljótsvatnskirkja
Holtsendi











