Montag, 29. Juni 2026
reif für die Inseln
Dienstag, 30. Juni 2026
von blauem Wasser und Höhlenmenschen
Mittwoch, 1. Juli 2026
im Tal der Tränen
Montag, 29. Juni 2026
reif für die Inseln
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Wetter
Temperatur 11 - 15°C ● erst bewölkt, dann sonnig ● mäßiger Wind
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Wegstrecke
Auto: 207 km / zu Fuß: 6 km
In der zweiten Hälfte meiner Reise 2026 hatte ich nun fünf Tage, um vom Ferienhaus zu allen möglichen Zielen zu fahren. Ich wollte dies auch immer vom Wetter abhängig machen. Und in dieser Woche war der Wetterbericht besonders anspruchsvoll. Morgens beim ersten hereinschauen war es prinzipiell völlig anders als am Vorabend. Und um mein Häuschen herum war es nur am Abreisetag wirklich schön.
Der Wetterbericht für den heutigen Tag zeigte überall auf dem Festland bedeckten Himmel und gelegentlich Regen. Auf meiner Liste standen aber unter anderem die Vestmannaeyjar, die Westmännerinseln. Und dort gab es zwei Wettersymbole mit Sonne und einem Wölkchen, eins im Norden, eins im Süden. Somit war mein Ziel für diesen Tag gefunden.
Die Westmännerinseln sind ein Archipel vor der Südküste Islands, etwa auf der Höhe des Seljalandsfoss. Man erreicht die Inseln mit einer Fähre, die ab Landeyjahöfn verkehrt. Bis dorthin waren es etwa 103 Kilometer zu fahren.
Ich hatte mich entschlossen, das Auto (kostenfrei!) am Fährhafen zu lassen und die Insel zu Fuß zu erkunden. So kaufte ich mir online ein einfaches Passagierticket für die Fähre um 10:45 Uhr und zurück um 17:00 Uhr. So hatte ich etwa sechs Stunden für die erste Erkundung der Insel Heimaey, der einzigen bewohnten Insel des Archipels.
Ich machte mich erst knapp zwei Stunden vor Abfahrt der Fähre auf den Weg, die Zielauswahl und Buchung hatten Zeit gekostet. So war ich etwa 25 Minuten vor Abfahrt in Landeyjahöfn. Dort warteten schon Menschentrauben, die unter anderem mit zahlreichen Touristenbussen herangekarrt wurden.
Die Herjólfur verkehrt saisonabhängig nach einem festen Fahrplan zwischen der isländischen Südküste in Landeyjahöfn und Heimaey auf den Vestmannaeyjar (Westmännerinseln).
Sie wurde 2019 in Dienst gestellt und ist bereits die vierte Fähre, die diesen Namen trägt. Sie verfügt über einen Hybridantrieb und kann auch vollelektrisch verkehren. Das Schiff ist etwa 70 Meter lang. Es wurde in Polen gebaut. Die Fähre kann 540 Passagiere transportieren und hat 330 Meter Spuren für Fahrzeuge.
Manchmal ist es witterungsbedingt oder wegen Versandung nicht möglich, den Hafen von Landeyjahöfn anzufahren. Dann verkehrt die Fähre vom 70 Kilometer entfernten Þorlákshöfn. Dies war übrigens bis 2010 der einzige Weg zu den Inseln, bevor der Hafen in Landeyjahöfn errichtet wurde.
Die offizielle Webseite der Fähre ist herjolfur.is, dort bucht man auch die Tickets. Stand Sommer 2026 kostet eine Überfahrt 2.700 ISK für einen Passagier und 4.050 ISK für einen normalen PKW. Ein Tagestrip liegt damit bei etwa 38 € bzw. 94 € mit Auto.
Die Fahrt dauert ca. 35 Minuten. In der Sommersaison verkehrt die Fähre 7-mal täglich hin und zurück. Bei Abfahrt in Þorlákshöfn sind nur zwei Fahrten möglich. Das Schiff verfügt über komfortable Sitzmöglichkeiten und auch über gastronomische Einrichtungen.
auf der Fähre
Da ich mit viel Wind rechnete, habe ich an diesem Tag meine Windjacke mitgenommen. Letztlich habe ich sie vom Auto bis zur Fähre angehabt, den Rest des Tages habe ich sie um den Bauch gebunden.
Der erste Teil der Überfahrt führt über offenes Meer, es schaukelte etwas. Das Schiff passiert zunächst die kleinen Inseln Elliðaey und Bjarnarey, welche nicht dauerhaft bewohnt sind.
Im Windschatten der Westmännerinseln war es dann deutlich ruhiger. Die Einfahrt in den Hafen von Heimaey ist beeindruckend. Auf der rechten Seite steigen steile Klippen auf, an denen Seevögel nisten. Auf der linken Seite erstreckt sich das Lavafeld, welches beim Ausbruch des Eldfell 1973 entstanden ist.
Dann öffnet sich rechts der Blick in eine größere Bucht, die Klettsvík. In deren abgesperrten hinteren Teil befindet sich die Beluga Whale Sanctuary. Diese zum SEA LIFE Trust gehörende Einrichtung ist das weltweit erste offene Schutzgebiet für Belugawale. Hier leben die Wale Little Grey und Little White. Die beiden Walweibchen wurden 2019 in einer aufwändigen und spektakulären Aktion von einem Aquarium in Shanghai in China nach Island transportiert.
Nach etwa 35 Minuten legte die Fähre dann im Hafen von Heimaey an. Für die Elektrofähre gibt es hier auch eine riesengroße Ladestation.
Hafenrundgang
Bei der Einfahrt nach Heimaey hatte ich nach dem Passieren des Lavafeldes eine alte Holzkirche entdeckt. Dorthin wollte ich zuerst laufen. Aber schon im Hafen war viel los und es gab einiges zu entdecken. Auffällig war auch hier, wie sauber und gepflegt alles aussah. Wie eigentlich überall in Island.
Kurz nach der Fähre kam auch ein großes Expeditionsschiff von National Geographic im Hafen an. Schließlich gibt es hier sehr viel zu entdecken. Wale, Papageitaucher, junge Spuren eines Vulkanausbruches und eine beeindruckende Landschaft.
Inseln mit Geschichte
Nach dem Verlassen des Hafens näherte ich mich dem Lavafeld. Hier gab es einige Relikte von 1973 zu sehen: verschüttete und zerstörte Gebäude und auch Teile des alten Wasserversorgungssystems.
Im historischen Hafen- und Festungsbereich Skansinn befinden sich einige historische Stätten. Die Festung stammt aus dem 16.Jahrhundert und hatte bis 1973 freien Blick auf den Atlantik. Sie wurde 1586 erbaut, um das Handelsmonopol der dänischen Krone vor englischen Seefahrern und Händlern zu schützen. Man findet hier historische Infrastruktur aus den 1930er-Jahren zur früheren Wasserversorgung der Insel, mit Landlyst eines der ältesten Häuser der Insel aus dem Jahr 1847 sowie die Stabkirche Stafkirkjan.
Die Kirche steht direkt an einer steinernen Pier, die zu einem Leuchtturn führt. Sie ist eine originalgetreue Nachbildung der mittelalterlichen Stabkirche von Haltdalen in Norwegen. Die Kirche wurde im Jahr 2000 vom norwegischen Staat an Island übergeben und erinnert an das tausendjährige Jubiläum der Christianisierung Islands im Jahr 1000.
Hop-On Hop-Off
Gleich nach Ankunft der Fähre war ich angesprochen worden, ob ich an einer Bustour teilnehmen möchte. Und nun habe ich mich spontan entschlossen, dies zu tun. Die Hop-On-Hop-Off-Bustour auf Vestmannaeyjar bietet eine Route, die bedeutende Sehenswürdigkeiten und die schönsten Aussichtspunkte der Insel abdeckt. Dank günstig gelegener Haltestellen kann man beliebig oft ein- und aussteigen und kann die Tour so nach den eigenen Interessen gestalten.
Der Bus fährt (zumindest in der Saison) jede Stunde und ich eilte deshalb zurück zum Hafen. Die Tour kostet umgerechnet etwas mehr als 35 €. die befahrene Route ist reichlich 15 Kilometer lang.
Der Bus war ziemlich voll. Für eine lautstarke Kulisse sorgte – zumindest auf der ersten Hälfte – eine Reisegruppe von 23 italienischen Touristinnen.
Der Bus fuhr zunächst Richtung Westen und machte einen ersten 5-minütigen Stopp im Herjólfsdalur. Dies ist ein offener Talkessel, der nach dem ersten Siedler der Westmännerinseln, Herjólfur Bárðarson, benannt ist. Im Herjólfsdalur befindet sich ein Camping-Platz und ein Teil des Golfplatzes. Im Tal findet alljährlich Anfang August auch immer das größte Outdoor-Festival des Landes, das Musik- und Kulturfestival Þjóðhátíð, statt.
Man kann hier auch das Herjólfstown Museum besuchen, auch bekannt als Wikinger-Wachsfigurenkabinett. Dieses bietet eine Ausstellung über die Wikingergeschichte Islands. Doch dafür reichte der kurze Stopp nicht aus. Ich bin mir aber sicher, dass ich noch einmal auf die Westmännerinseln zurückkehren und mir dann auch mehr Zeit nehmen werde.
Nur einen Kilometer weiter gab es erneut einen kurzen Stopp, direkt an der Straße. Hier befindet sich der Vestmannaeyjar Golf Course. Aber nicht dieser Golfplatz war Ziel des Fotostopps, sondern die dahinter aufragende Halldórsskora, genannt Elephant Rock. Wo der Name herkommt, kann man auf den Foto gut sehen. Es handelt sich um eine vulkanische Formation, die wie ein Elefantenkopf aussieht, dessen Rüssel in den Atlantik taucht.
Dann ging die Tour weiter bis ganz in den Süden der Insel Heimaey, nach Stórhöfði. Dies ist einer der besten Plätze in Island, um Papageitaucher zu sehen.
Ein kurzer Rückblick zum Wetterbericht: dieser hatte ja wie am Morgen beschrieben, für den Norden und den Süden der Insel leichte Bewölkung und Sonnenschein prognostiziert. Aber wie immer machte das Islandwetter, was es wollte. Während es im Norden sogar noch schöner war als angekündigt, regnete es hier im Süden der Insel sehr stark.
Viele der Tourteilnehmer stiegen hier dennoch aus, um die Puffins zu beobachten. Da ich aber bereits hunderte Bilder der Vögel habe, bin ich sitzen geblieben und gleich weiter gefahren. Der Bus war jetzt deutlich leerer und die lautstarken Italienerinnen waren auch nicht mehr da.
Der Bus fuhr nun wieder nach Norden. An der Küstenstraße hatte man einen schönen Blick auf die südwestlich von Heimaey liegenden Inseln des Archipel, bis nach Surtsey.
Nach der Umrundung des Flughafens war das Wetter wieder schön. Zwischen den Vulkankegeln Helgafell und dem erst 1973 entstandenen Eldfell führte die Straße wieder in die Stadt. Der nächste Stopp war das Museum Eldheimar.
Pompeij des Nordens
Das Eldheimar Museum ist ein Museum, welches den Ausbruch des Vulkans Eldfell im Jahr 1973 dokumentiert, eine der bedeutendsten Naturkatastrophen Islands in der jüngeren Geschichte. Das Museum, dass oft auch als ‚Pompeji des Nordens‘ bezeichnet wird, ist eine der Hauptattraktionen auf Heimaey.
Die faszinierende Ausstellung im Eldheimar Museum vermittelt ein faszinierendes Bild der verheerenden Folgen des Ausbruchs von 1973. Mit Fotos und interaktiven Darstellungen wird das Ereignis dargestellt und erinnert so einerseits an die Naturgewalten, aber auch an das Leid der damaligen Bewohner.
Das Herzstück des Museums ist ein damals evakuiertes und dann verschüttetes Haus, das aus der Asche wieder ausgegraben wurde. Die im Haus gefundenen Alltagsgegenstände erinnern an das damalige Leben, aber auch eindringlich an die Auswirkungen des Vulkanausbruchs auf das Leben der Menschen.
Diese Ausstellung berührt zutiefst und lässt die Besucher das Leben der Familie, die hier lebte, hautnah miterleben. Gerdur Sigurdardottir und ihr Mann Gudni Olafsson wohnten hier mit ihren drei Kindern, darunter ein erst wenige Wochen altes Baby. Sie mussten in der Dunkelheit der Nacht fliehen, nur mit einer Flasche für das Baby. Ihr Zuhause war wenige Tage später von Lava und Asche bedeckt.
Mitten im Museum gelegen, können die Besucher das Haus von außen umrunden und das Innere über fernsteuerbare Kameras betrachten. Im Prinzip wurde das Haus ausgegraben und dann das Museum drum herum errichtet. Es ist ein eindringliches Mahnmal für die Macht der Natur und dafür, wie verheerend sie sich auf den Alltag der Menschen auswirken kann.
Im Obergeschoss gibt es noch eine Ausstellung über die Geschichte der 1963 entstandenen Insel Surtsey. Außerdem befindet sich hier ein Cafe. Von der davor gelegenen Aussichtsplattform hat man einen herrlichen Blick über die Stadt. Interessant ist, dass die am Stadtrand liegenden Häuser bis zum Ausbruch von 1973 einen freien Meerblick hatten. Heute wird die Sicht durch den damals neu entstandenen Bergzug komplett verdeckt.
Einen Besuch des Eldheimar-Museums kann ich nur empfehlen. Man erhält einen beeindruckenden Einblick in die Geschichte des Eldfell-Ausbruchs von 1973. Besucher können sich einen Audioguide in mehreren Sprachen anhören, der die Ereignisse vor, während und nach dem Ausbruch detailliert beschreibt.
Interaktive Ausstellungsstücke vermitteln Wissen und Informationen, z.B. kann man ein riesiges Rad drehen, um zu veranschaulichen, wie sich die Lava ausbreitete, einen Teil der Stadt bedeckte und die Landmasse der Insel vergrößerte.
Dauer: ca. 60-120 min
Preis: 3.550 ISK / ca. 24.50 Euro (Stand 2026)
Stadtbummel
Da der Zeitpunkt gerade günstig war, bin ich mit dem eben wieder eintreffenden Bus zurück zur Stadt herunter gefahren. Unterwegs sieht man an den Straße einige schwarze Säulen stehen. Die Höhe dieser Säulen zeigt an, wie hoch an dieser Stelle im Jahr 1973 die Asche gelegen hatte.
Ich bin aber nicht bis zum Hafen zurück gefahren, sondern an der Haltestelle Downtown Vestmannaeyjar in der Ráðhúströð ausgestiegen. Dann bin ich die restliche Strecke zum Hafen zu Fuß durch die Stadt geschlendert.
Kaffee und Kuchen
Da bis zur Abfahrt der Fähre noch etwas Zeit war, bin ich noch in das direkt im Hafen liegende Restaurant Tanginn eingekehrt. Da es zeitlich passte, habe ich mir Kaffee und Kuchen gegönnt (2.550 ISK/ca. 15,50 €). Ich bin ja wie schon oft erwähnt jetzt nicht der größte Fan von Süßem, aber diese isländischen Kuchen und Torten haben es mir angetan.
Fotowettbewerb
Dann ging es wieder zurück auf die Fähre. Pünktlich begann die Rückfahrt zum Festland.
Ich hatte einen Platz steuerbord ergattert (also rechts). Deshalb hatte ich einen schönen Blick auf zunächst das Lavafeld am Hafenausgang. Dann passierten wir die vorgelegenen Inseln Bjarnarey und Elliðaey. Beide Inseln sind nicht dauerhaft bewohnt, aber auf beiden steht genau ein Häuschen. Diese Häuser werden oft als die einsamsten Häuser der Welt bezeichnet und es ranken sich viele Gerüchte um Geschichte und Besitzer.
Ich hatte mit dem Handy ein Foto von dem einsamen Haus auf Bjarnarey gemacht, um es schnell per WhatsApp zu verschicken. Dies ist das obere Foto auf der Collage. Die Entfernung lag laut Google Maps bei etwas über zwei Kilometern.
Dann kam mir die Idee, einmal ein Vergleichsfoto mit meiner Canon EOS R5 zu machen. Da ich meinen Sitzplatz nicht verlieren wollte, bin ich nicht an Deck gegangen sondern habe durch das Fenster der Fähre fotografiert. Daher rühren die deutlich sichtbaren Schlieren.
Ich habe mit das Foto dann mit der App aufs Handy gezogen. In der Totalansicht war kein allzu großer Unterschied zu sehen. Aber dann habe ich auf beiden Bildern einmal zum Haus hineingezoomt.
Und da war ich dann doch etwas überrascht. Dass es einen deutlichen Unterschied geben muss, war mir eigentlich klar. Aber das er so riesig sein würde, hatte ich ehrlich gesagt nicht erwartet.
zurück an Land
Zurück auf dem Festland ging ich zum Auto und konnte noch eine Szene festhalten, in der eine Touristin die Vögel fotografieren wollte. Da hatte sie aber nicht mit der Aggressivität der Küstenseeschwalben gerechnet, die im Rudel über sie herfallen wollten. Die Vögel brüten dort im Gras direkt am Parkplatz und fallen über alles her, was sich ihnen nähert. Das hatte ich schon öfters erlebt.
Auf dem Rückweg machte ich noch eine kurzen Fotostopp an der Einmündung der Straße 254 in die Ringstraße. Hier war das Wetter noch schön und es gab einen herrlichen Panoramablick bis zum etwa 30 km entfernten Tindfjallajökull mit seinem höchsten Gipfel Ýmir (1462 Meter).
Je mehr ich mich dann meinem Häuschen näherte, umso schlechter wurde das Wetter. Ich hatte also an diesem Tag wettermäßig die völlig richtige Entscheidung getroffen.
Dienstag, 30. Juni 2026
von blauem Wasser und Höhlenmenschen
-
Wetter
Temperatur 11 - 15°C ● bewölkt, später Regen ● mittlerer Wind
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Wegstrecke
Auto: 140 km / zu Fuß: 3 km
Und wieder waren die Wetteraussichten nicht so rosig. Selbst am Morgen gab es bei den größeren anvisierten Zielen schlechte Prognosen. Deshalb beschloss ich, ‚Kleinkram‘ in der näheren Umgebung abzuarbeiten. Vormittags sollte es zumindest trocken bleiben. So machte ich mich auf den Weg zu einem Wasserfall, dem Brúarfoss. Dieser ist zwar nicht sehr groß, aber einer der fotogensten Wasserfälle in Island.
Nach Auftanken fuhr ich über die Straßen 35, 355 und 37 bis zur Abzweigung Richtung Wasserfall, insgesamt etwa 33 Kilometer. Bis vor nicht allzu langer Zeit musste man einen recht langen Fußmarsch durch oft matschiges Gelände bewältigen, da sich östlich des Flusses Brúará ein großes Ferienhausareal befindet, dass man nur zu Fuss durchqueren konnte. Allerdings passierte man hier noch zwei weitere kleinere Wasserfälle, den Hlauptungufoss und den Miðfoss.
Nun gab es aber westlich des Flusses eine Zufahrtsstraße zu einem gebührenpflichtigen Parkplatz, von dem aus es nur noch 350 Meter zu Fuss waren. Und da ich die Zeit vor dem Regen nutzen wollte, habe ich mich für diese bequeme Variante entschieden.
Eierkocherei
Wohin als nächstes? Am nächsten lag die Farm Efsti-Dalur II, die für ihren Eisladen bekannt ist. Aber die hatten noch nicht geöffnet. Also fuhr ich nach Laugarvatn am gleichnamigen See. Das sind etwa 17 km Entfernung. Dort hatte ich in einer Fernsehreportage gesehen, dass für Besucher geothermisch Brot gebacken wird und auch Eier gekocht werden. Wie ich herausfand, wird das ganze von der Fontana Geothermal Bakery veranstaltet. Diese gehört zum bekannten Geothermalbad Fontana.
Ich fand einen Parkplatz am nahegelegenen Schwimmbad und ging zur Bäckerei. Hier konnte man die geothermal erzeugten Lebensmittel verkosten. Aber es gab (zumindest an diesem Tag) keine Führungen mit live-Vorführung. Schade!
So bin ich allein durch die Gegend geschlendert. Direkt am Ufer des Sees findet man die heißen Quellen. Diese werden wie überall in Island auch zur Energiegewinnung verwendet.
Dann wollte ich wieder los. Aber direkt vor dem Geothermalbad, welches offenbar gerade modernisiert wurde, stand mitten auf der schmalen Straße ein großer LKW. Dieser wurde gerade entladen. Und das konnte dauert, denn die Arbeiter trugen Brett um Brett aus dem Wagen ins Haus. Und ich war in einer Sackgasse! Es gab zwar noch einige Häuser, das Schwimmbad und andere Einrichtungen in der Straße. Aber nur dieser eine Weg führte zurück. Ich probierte einige Varianten über einen Lagerplatz und einen Müllplatz. Aber keiner führte auf die parallel und etwas höher gelegene rettende Straße.
Zurück am LKW deutete mir einer der Arbeiter an, was ich tun sollte. Und was ich sonst definitiv nicht getan hätte (respect the nature!). Also über die hohe Kante auf den Fußweg und dann über ein gepflegtes Stück Rasen (der Fußweg war zu schmal) zwischen einem Baum und einem großen Stein hindurchgequetscht.
Die Kuh sieht zu…
Mein Weg führte mich 13 km wieder zurück in die Richtung, aus der ich gekommen war. Dann geht es nach links hinauf zu der Farm. Efsti-Dalur II ist eine Pferdefarm mit Hotel, Restaurant und dem Eisladen. Auch kann man hier Reittouren buchen. Und auf dem Parkplatz gab es sage und schreibe 12 Tesla-Ladesäulen!
Ich hatte schon überlegt, im Restaurant einzukehren. Aber das war mir doch noch zu früh und ich wollte ja die Zeit des noch halbwegs guten Wetter nutzen. Also holte ich mit nur einen Becher mit dem weit bekannten hausgemachten Eis. Und direkt vom Tisch aus kann man auch die Erzeuger der Milch beobachten, denn der Eisladen ist nur durch eine Glasscheibe vom Stall getrennt. Vom über dem Eisladen liegenden Restaurant kann man wohl auch direkt in den Stall blicken.
die Zeit zurück gedreht
Nun ging es wieder in die andere Richtung zurück, aber diesmal über Laugarvatn hinaus. Nach 19 km bog ich von der Straße 365, die nach Þingvellir führt, rechts ab. Über eine Schotterpiste (Straße 367) ging es noch reichlich 3 km weiter bis zu einem kleinen Parkplatz.
Weiter oben am Hang konnte ich schon mein Ziel sehen, die Laugarvatnshellar, die Caves of Laugarvatn. Am Parkplatz gab es eine kleine Bude mit Kaffeeausschank und Toilette. Hier wartete auch ein Guide, während die Kollegin gerade mit einer Gruppe unterwegs war. Der Strom wurde hier mit herumliegenden Solarpanels erzeugt.
Ich zahlte mein Ticket und kam dann mit dem Guide ins Gespräch. Es war ein junger Franzose, der hier schon länger im Tourismus arbeitete. Nachdem er gefragt hatte, wo ich herkomme, redeten wir etwas über Berlin, wo er auch schon öfters war. Aber er kannte nur die Clubszene. Zwischendurch fragte er dann, ob ich nicht mal eine Jacke anziehen wolle, es wäre doch ziemlich windig. Nachdem ich verneint hatte, meinte er ‚You’re more icelandic than I am.‘
Da er die herführende Schotterstraße von hier oben gut beobachten konnte, erzählte er, dass er schon von weitem die Nationalitäten der ankommenden Besucher erraten könne. Am schnellsten fahren die Deutschen. Und am langsamsten die Franzosen. Das liege aber vor allem daran, das die keine vernünftigen Versicherungen für die Mietwagen abschließen würden.
Nach einer knappen halben Stunde war unser Trupp auf 7 Leute angewachsen und die vorherige Gruppe kam zurück. Nun waren wir an der Reihe. Unser Guide zeigte uns das ‚Haus‘, Islands letzte von Menschen bewohnte Höhlenwohnung. Niemand weiß wirklich, wie alt das Objekt ist. Aber verbürgt ist, dass 1910 hier ein frisch verheiratetes junges Paar einzog. Später lebte hier eine kleine Familie mit drei Kindern. Unser Guide gab uns viele interessante Informationen. Nicht nur zu diesem Objekt, sondern auch allgemein zum harten Leben in der damaligen Zeit.
Die Führung bietet eine faszinierende Reise zurück in noch gar nicht so weit entfernte Zeit. Man kann sich kaum vorstellen, das vor gerade einmal etwas mehr als 100 Jahren hier tatsächlich Menschen gelebt haben.
Dauer: ca. 30 min
Preis: 2.050 ISK / ca. 14.25 Euro (Stand 2026)
…und noch eine Kirche
Auf dem Rückweg fuhr ich dann über die Straße 365 zunächst weiter Richtung Westen, um dann der Þingvallavegur (Straße 36) nach Süden zu folgen. Ich fuhr aber nicht bis zur Straße 35, sondern nahm die Straße 351. Hier gab es, direkt an einem Bauernhof, eine kleine Kirche, die Búrfellskirkja. Und diese kleinen isländischen Kirchen haben es mir ja angetan. Die Búrfellskirkja ist zur Abwechslung einmal in braun gehalten.
Da das Wetter nun immer unwirtlicher wurde und starker Regen einsetzte, habe ich mich zurück zu meinem Häuschen begeben. Immerhin hatte ich den Tag noch ganz gut nutzen können.
Mittwoch, 1. Juli 2026
im Tal der Tränen
-
Wetter
Temperatur 10 - 12°C ● bedeckt, z.T. starker Regen ● mittlerer Wind
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Wegstrecke
Auto: 253 km / zu Fuß: 3 km
Gespannt schaute ich am Morgen auf die Wettervorhersage. Es sah wie am Vortag nicht so prickelnd aus. Aber es gab einen Lichtblick. Gegen Mittag sollte es nördlich des Fjallabak, am Beginn der Sprengisandsleið, für etwa 2-3 Stunden besser sein. Nicht sonnig, aber immerhin trocken. Und dort hatte ich eines meiner Wunschziele, den auch ‚Tal der Tränen‘ genannten Sigöldugljúfur. Eigentlich wollte ich diesen Besuch mit Landmannalaugar verbinden. Aber das Wetter dort passte einfach nicht.
Über die Straßen 35, 31, 30 und 32 ging es Richtung Ostnordost. Nachdem die Þjórsárdalsvegur (Straße 32) hinter der Brücke über die Fossá í Þjórsárdal die Hochebene erreicht hatte, legte ich einen ersten Stopp am Bjarnalón ein. Dies ist ein künstlich angelegter See, der vom Fluss Þjórsá gespeist wird und dessen Wasser dann durch einen 1,5 Kilometer langen Tunnel bei einer Fallhöhe von 115 m zum Kraftwerk Búrfellsvirkjun (auch Búrfellsstöð) geleitet wird, von wo aus es dann in den Fluss Fossá í Þjórsárdal abgegeben wird. Über diesen gelangt das Wasser nach weiteren 2 km wieder in die Þjórsá.
Weiter ging es über die Straße 32. Diese trifft dann auf die aus der Gegend von Hella kommende Straße 26. Hier beginnt die berühmte Sprengisandsleið, die östlichste und längste der Nord-Süd-Hochlandstraßen. Nach einem kurzen notwendigen Stopp am Highland Center Hrauneyjar ging es zügig weiter. Nach reichlich 8 km zweigt die Fjallabaksleið Nyrðri (Straße F208) ab, der ich nun nach Süden folgte. Der Name bedeutet soviel wie ’nördliche Straße hinter den Bergen‘.
Fun Fact: Immer wenn ich das Wort Fjallabak (entspricht ‚hinter den Bergen‘) höre, muss ich an Schneewittchen denken (‚…hinter den Bergen, bei den sieben Zwergen…‘). Das kriege ich einfach nicht aus dem Kopf.
Die F208 ist auf den ersten Kilometern bis zu einem Wasserkraftwerk asphaltiert, dann beginnt die steinige Hochlandpiste. Nach etwa dreieinhalb Kilometern sollte es hier einen Parkplatz geben, von dem aus man dann zum Sigöldugljúfur laufen könnte. Diesen gab es auch wirklich. Aber kurz davor war von links ein Auto auf die Straße gekommen. Also schien es dort auch einen Weg weiter heran an die Schlucht zu geben.
deep blue
Nun gut, die Bezeichnung Straße beschränkte sich auf die Möglichkeit zu erkennen, wo man in etwa langfahren sollte. Es ging wirklich über Stock und Stein. Aber nach einem Kilometer war man auf dem Plateau oberhalb der Schlucht und die Straße war für eine Schotterpiste wieder normal befahrbar.
Von hier waren es nur ein paar Meter bis zur Felskante des Sigöldugljúfur. Und schon der erste Anblick entschädigte für die lange und holprige Anfahrt. Ein wahres Juwel (noch) etwas abseits der üblichen Touristenrouten. Viele kleine Wasserfälle, die Lekafossar, stürzen in die Schlucht mit dem herrlich türkisfarbenen Wasser. Hätte die Sonne geschienen, wäre es wahrscheinlich noch beeindruckender gewesen.
Interessant ist auch der Kontrast zwischen den beiden Ufern des Canyons. Während die Seite mit den Wasserfällen farbenprächtige moosbedeckte Klippen bietet, ist das gegenüberliegende Ufer karg und grau. Dort gibt es eigentlich nichts, wäre da nicht der Mobilfunkmast, der besten Empfang garantiert. Thats Iceland!
Mountain-Biking
Ich holperte dann zurück zur F208 und dem kleinen Parkplatz. Hier schaute ich mit etwas um. Auf der Straße war recht viel los Richtung Landmannalaugar. Aber es war dort für mich kein Fotowetter, obwohl ich hin- und her schwankte.
Zurück am Auto entdeckte ich plötzlich ein großen Kratzer in der linken hinteren Tür. Oh je, wo kam der plötzlich her? Der große Schreck legte sich aber schnell wieder. Mein Auto stand eine Platz weiter 🙂 Weiße Dacias gibt es hier sehr viele.
Ich fuhr nun die holprige Strecke zurück bis ich wieder Asphalt unter den Rädern hatte.
Fun Fact: Am Abend stellte ich fest, dass meine Fitness-App das Rütteln und Schütteln im Auto als Mountain-Biking registriert hatte.
Hier in direkter Nähe zum Kraftwerk gibt es noch einen weiteren schönen Wasserfall, den Sigöldufoss. Dieser ist auch unter dem Namen Hrauneyjafoss bekannt. Er stürzt auf einer Breite von etwa 30 Metern 10 Meter in die Tiefe. Er liegt am Fluss Tungnaá und war früher viel mächtiger. Seit 1973 wird der Fluss oberhalb des Wasserfalls zum Stausee Sigöldulón (auch Krókslón) für das Kraftwerk Sigölduvirkjun aufgestaut. Seither führt der Fluss wesentlich weniger Wasser, da ein Großteil durch Röhren direkt zum Kraftwerk abgezweigt wird.
Highlander
Ich machte mich nun auf den Rückweg. Unterwegs machte ich noch einen Fotostopp in der Nähe des Sees Sporðöldulón sowie einen Stopp am Highland Center Hrauneyjar. Es gibt hier ein Hotel, eine Tankstelle, einen kleinen Laden sowie ein Restaurant und eine Bar. Das Center wird oft als das letzte Tor vor der Wildnis bezeichnet. Von hier aus werden beliebten Ausflüge angeboten, wie Superjeep-Touren, Motorschlittenfahren sowie Wander- und Klettertouren.
Bald danach begann es teilweise kräftig zu regnen. Und der Regen hörte für den Rest des Tages bis zu meiner Rückkehr ins Ferienhaus auch nicht mehr auf.
















