Eldfell-Ausbruch 1973

Vestmannaeyjar

Der Eldfell ist ein Vulkan auf der Insel Heimaey, die zu den Westmännerinseln gehört. Vestmannaeyjar (Westmännerinseln) ist ein Archipel südlich von Island mit insgesamt 15 Inseln und etwa 30 Schären. Die nördlichste Insel ist Elliðaey, die südlichste ist Surtsey. Heimaey ist die größte der Inseln und die einzige bewohnte. Vestmannaeyjar hat etwa 4.200 Einwohner und ist damit die 12. bevölkerungsreichste Siedlung in Island. Die Fischerei ist der wichtigste Wirtschaftszweig der Westmännerinseln.

Höchste Erhebung ist der 283 Meter hohe Heimaklettur nördlich des Hafens, südlich des Ortes liegt der 227 Meter hohe Helgafell, ein Schlackenkegel. Der Helgafell war zuletzt vor etwa 6.000 Jahren ausgebrochen. Seitdem war Heimaey von Vulkanausbrüchen verschont geblieben.

Der Eldfell-Ausbruch 1973 hätte die Insel fast unbewohnbar gemacht.

Ausbruch

Vorgeschichte

Am 21. Januar, also zwei Tage vor dem Ausbruch, wurden die ersten, noch schwachen Erdbeben im Gebiet um Heimaey aufgezeichnet. Nachdem in recht kurzer Zeit über 100 Beben registriert wurden, nahm die Anzahl dann ab, die Intensität aber zu. Das stärkste gemessene Beben hatte eine Stärke von 2,7 auf der Richterskala.

Nun sind Erdbeben in einer vulkanisch so aktiven Zone nichts ungewöhnliches und es deutete nichts auf eine größere Gefahr hin. Der Ausbruch kam dann völlig unerwartet.

Beginn der Eruption

Am 23. Januar um 1:55 öffnete sich ein zunächst 300 Meter langer Spalt, der bald auf fast zwei Kilometer anwuchs. Dieser lag nur einen Kilometer vom Ortszentrum und nur 200 Meter vom nächstgelegenen Hof Kirkjubær (Kirchfarm) entfernt.

Aus dem Spalt stiegen Lavafontänen von bis zu 150 Metern Höhe auf. Der Spalt verkleinerte sich bald wieder und die Eruption konzentrierte sich auf das Gebiet, wo heute der Berg Eldfell steht.

Die Emissionsrate lag bei 100 m³/s und bereits nach 2 Tagen hatte sich ein 100 Meter hoher Schlackenkegel gebildet. Bis Mitte Februar hatte er eine Höhe von 200 Metern erreicht.

Evakuierung

Die isländische Zivilschutzorganisation begann sofort mit der Evakuierung der damals 5.273 Bewohner der Insel, da sich die Lava auf den Ort zubewegte und es einen starken Ascheregen gab. Notfallpläne dafür waren vorhanden.

Bei der Evakuierung half der Umstand, das wegen des schlechten Wetters am Vortag fast die gesamte Fischereiflotte im Hafen lag. Bereits eine halbe Stunde nach Beginn der Eruption legten die ersten Schiffe ab, damals noch nach Þorlákshöfn, da der heutige nähergelegene Hafen in Landeyjahöfn noch nicht existierte.

Die meisten Bewohner wurden per Schiff evakuiert, ältere Menschen und Krankenhauspatienten konnten ausgeflogen werden, da der Flughafen nicht bedroht war. Innerhalb von sechs Stunden war die Evakuierung abgeschlossen, zurück blieb nur eine Rettungsmannschaft.

Folgen

Der Vulkan schleuderte Lavabomben von bis zu 300 kg bis zu 700 Meter weit. Dadurch gerieten viele Häuser in Brand. Eine bis zu 3 Meter dicke Ascheschicht bedeckte den Ort, viele Häuser stürzten unter dieser Last zusammen. Nach dem Ende dieses verheerenden Vulkanausbruchs waren mehr als 400 Häuser zerstört und 11 Straßen mindestens teilweise unter der Lava verschwunden.

Zerstört wurden auch die Strom- und Wasserleitungen vom Festland, das Kraftwerk und die Fischverarbeitungsfabrik.

Eine Person starb während der Eruption an einer Kohlendioxidvergiftung, als sie in den Keller der Apotheke eingebrochen war, um dort Medikamente zu stehlen.

Rettungsaktion

Das größte Problem war, dass sich der Lavastrom auf die Hafeneinfahrt zubewegte. Wäre diese unpassierbar geworden, hätte dies die Haupt­einnahme­quelle der Insel, die Fischerei, und damit die Existenz der Bewohner bedroht. Die Fischerei auf Heimaey hatte immerhin 25% Anteil am gesamten Fischfang und einen 3%igen Anteil am isländischen Bruttosozialprodukt.

Im Februar wurde ein Experiment unternommen, ob sich der Lavafluss durch Wasserkühlung stoppen lassen würde. Trotz der eher geringen Pumpleistung war das Experiment erfolgreich.

In einer beispiellosen Rettungsaktion wurde durch den Einsatz von allen verfügbaren Wasserpumpen der Lavastrom mit Meerwasser besprüht. Aus den USA kamen 32 Pumpen mit einer Leistung von bis zu 1.000 Liter/s. So konnte nach einem viermonatigen Kampf die Lava tatsächlich zum Stillstand gebracht und der Hafen von Heimaey gerettet werden.

Insgesamt wurden über 7 Millionen Kubikmeter Meerwasser auf die Lava gepumpt. Da das Wasser komplett verdampfte, lagerten sich 220.000 Tonnen Salz ab.

Ergebnis

Der Ausbruch wurde am 3. Juli 1973 offiziell für beendet erklärt. Die Aufräumarbeiten dauerten fast zwei Jahre.

Veränderungen

Eldfell-Ausbruch 1973Insgesamt wurden während des mehr als fünf Monate andauernden Ausbruchs 230 Millionen m³ Lava und 20 Millionen m³ Tephra ausgestoßen. Als der Ausbruch vorbei war, hatte sich die Fläche von Heimaey um mehr als 2 Quadratkilometer bzw. 20% vergrößert (rote Fläche auf der Karte).

Und zurückgeblieben war auch ein neuer, zum damaligen Zeitpunkt 220 Meter hoher Vulkan direkt am Randes des Ortes. Durch Erosion und Materialverdichtung hat es inzwischen an Höhe verloren und ist heute etwa 200 Meter hoch. 

Die Anwohner wollten den Berg wegen des betroffenen Hofes Kirkjubær zunächst Kirkjufell nennen. Dies wurde aber nicht genehmigt und der Berg erhielt von offizieller Seite trotz der lokalen Proteste den Namen Eldfell (Feuerhügel).

Die in Richtung Hafen gelaufene Lavafeld bildet heute einen natürlichen Damm, durch den der Hafen der Insel Heimaey besser vor Nordostwinden geschützt ist. Die Insel ist nach wie vor das Hauptfischereizentrum von Island, ein Drittel der gesamten Fischproduktion des Landes kommen von Heimaey.

Bevölkerung

Etwa 85% der ursprünglichen Einwohner kehrten nach Heimaey zurück.

Nutzung

Nach dem Ausbruch nutzten die Bewohner die Wärme der sich langsam abkühlenden Lavaströme zur Warmwasserbereitung und zur Stromerzeugung. Die Temperaturen in Lavagestein bleiben noch jahrelang bei mehreren 100 Grad. Es wurde kaltes Wasser ins Gestein gepumpt und heißer Dampf kam zurück. Bis zu 40 Megawatt Strom konnten so erzeugt werden.

Abgelagertes vulkanisches Material wurde verwendet, um die Start- und Landebahn des Flughafens der Insel zu verlängern sowie eine Fläche für 200 neue Häuser zu schaffen.

Seit 1998 wird das Eruption Festival wurde auf den Inseln abgehalten , um dem Ausbruch des Eldfell zu gedenken.

Pompeji des Nordens

Das Projekt hat es sich zum Ziel gesetzt, mehrere verschüttete Häuser wieder auszugraben und diese als Museum der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Im Mai 2014 konnte das Museum Eldheimar (Feuerwelten) eröffnet werden.