Reise 2021

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Mittwoch, 11. August 2021
Flugtag mit Hindernissen

Donnerstag, 12. August 2021
Hotpot mal anders

Mittwoch, 11. August 2021

Flugtag mit Hindernissen

  • Wetter

    Temperatur 12 - 15°C ● bewölkt bis bedeckt, aber kein Regen ● mäßiger Wind

  • Wegstrecke

    Auto: 116 km / zu Fuß: 7 km

Vulkan - Tagebuch

Heute soll es zum Vulkan gehen. Große Vorfreude...

Der heutige Tag sollte mit dem Flug zum Vulkan der Höhepunkt meiner Reise 2021 werden. Doch zunächst hatte ich bis 12:00 Uhr noch genügend Zeit. Da ich mich aber schon in Reykjavík aufhalten wollte, habe ich nach einem Zeitvertreib gesucht und bin auf das Árbæjarsafn gestoßen, ein Freilichtmuseum.

Außerdem habe ich mir für 15:30 Uhr ein Ticket für FlyOver Iceland gebucht. So ging es nach dem Frühstück in die Hauptstadt.

etwas Geschichte

Árbær ist das größte Freilichtmuseum in Island. Es ging aus einem Bauernhof hervor, der vor Reykjavík lag. Als das Museum 1957 gegründet wurde, lag es noch am Rande der Stadt. Heute befindet sich das Areal innerhalb der Stadtgrenzen von Reykjavík im Stadtbezirk Árbær.

Auf dem Gelände des Museums befinden sich etwa 30 historische Gebäude aus der Hauptstadt und anderen Landesteilen. Diese wurden dort ab- und hier wieder aufgebaut. Die kleine Grassodenkirche wird noch gelegentlich für Hochzeiten benutzt. In einem anderen Haus wird zum Beispiel die einzige Druckerpresse gezeigt, mit der in Island jemals Geld gedruckt wurde.

Aufgabe des Museums ist es, der Öffentlichkeit einen Einblick in die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen in Island in früheren Zeiten zu geben.

Im Hafnarsmiðja Engine House gibt es eine kleine Technikausstellung. Hier steht eine der beiden einzigen Dampflokomotiven, die in Island je in Betrieb waren, die ‚Pionér‘. Auch eine Dampfwalze ist hier ausgestellt.

Bei meiner Reise 2016 stand die Lokomotive übrigens noch als Denkmal im Hafen von Reykjavík. Da dieser Bereich inzwischen bebaut wurde, kam die Lokomotive hier ins Museum.

4/5

Ein Besuch des Árbæjarsafn bietet interessante Einblicke in das frühere Leben in Island.
Dauer: ca. 60-180 min
Preis: 1.800 ISK  / ca. 12.20 Euro (Stand 2021)

Vulkan - Tagebuch

Ich hatte gerade das Museum verlassen, da kam eine Email:

Dear passengers
Due to adverse weather conditions we´re forced to delay departure to 15:00 in the hope that it will clear in the course of the day.

Wegen der ungünstigen Wetterbedingungen wurde der Flug also auf 15:00 Uhr verschoben. Nun gut, damit konnte ich leben.

Mit 15 Uhr konnte ich leben, aber ich hatte ja mein Ticket für FlyOver Iceland. Aber ich dachte mir, dort komme ich bestimmt auch zu einer anderen Zeit dran. Also bin ich gleich zum Hafen gefahren. Ich fragte nach einer früheren Gelegenheit.

Passt es ihnen in sechs Minuten?

Aber ja!

Im Tiefflug über Island

FlyOver Iceland befindet sich im Hafendistrikt Grandi. Das dafür neu errichtete Gebäude wurde 2019 eröffnet. Neben der Show befinden sich hier noch ein Café und ein Souvenirshop.

FlyOver Iceland wird eröffnet von zwei Themenräumen. Im ‚Longhouse‘ (Langhaus) wird über die Geschichte erzählt, und in ‚The Well of Time‘ wird die Geschichte Islands mit Musik und Bildern erzählt. 

Doch dann kommt der eigentliche Höhepunkt. In freihängenden Sitzen angeschnallt erlebt man einen Flug über Island, den man so wohl kaum anderswo erleben kann.

Man schwebt mit baumelnden Füssen vor einer 20 Meter großen Rundumprojektion. Die Sitze bewegen sich, aber es gibt auch Wind, Nebel, Schnee und Gerüche. Ein Fest für die Sinne. Man zieht unwillkürlich die Beine an, wenn der rasante Flug sich dem Boden nähert. Der Flug geht durch Täler, über Gletscher und Bergkuppen und sogar durch das Felsentor von Dyrhólaey.

Mein Dank auch an den – wohl etwas wahnsinnigen – Helikopterpiloten, der diese beindruckenden Aufnahmen ermöglicht hat.

5/5

Der absolute Wahnsinn! Unbedingt anschauen! Der Trailer gibt einen kleinen Vorgeschmack.
Dauer: ca. 35 min, davon 8-9 Minuten virtueller Flug
Preis: 4.490 ISK / ca. 30.40 Euro (Stand 2021)

im Hafen

Da ich ja schon im Hafengebiet war, bin ich noch zur östlichen Spitze gefahren. Dort befindet sich mit Þúfa eine Outdoor-Installation der Künstlerin Ólöf Norda. Es handelt sich um einen künstlich angelegten grasbewachsenen Hügel, der 26 Meter im Durchmesser misst und 8 Meter hoch ist. Ein schmaler Pfad führt auf die Spitze, wo ein winziges Holzhäuschen steht. In Deutschland wäre so etwas vermutlich gar nicht erlaubt – kein Geländer!

Auf jeden Fall hat man von dort einen schönen Blick über den alten Hafen und auf die Stadt Reykjavík.

Dann habe ich mich zum Regionalflughafen begeben, um rechtzeitig für meinen Flug zum Vulkan bereit zu sein. Der Flughafen macht einen sehr beschaulichen Eindruck, hat aber Unmengen an kostenfreien (!) Parkplätzen. Da noch etwas Zeit war, habe ich es mir im Terminal von Icelandair gemütlich gemacht.

Vulkan - Tagebuch

Und wieder erhielt ich eine Email:

Dear Oliver
We’re not getting a break in the weather and are forced to cancel.
A full refund applies.

Sch... der Flug fällt ins Wasser! Kein Vulkan! Oh Mann, was tun?

Also auf dem Handy nochmal die Helikopterfirmen abgeklappert. Und dieses mal doch die Terminanfrage abgeschickt. Von der ersten Firma habe ich bis heute keine Antwort erhalten. Dann die zweite probiert, Nordurflug.

Your email cannot be sent due to technical problems. Please contact the administrator.

Auch beim zweiten mal klappte es nicht. Also doch mal mit telefonieren probiert.

When is the next opportunity to fly to the volcano?
How many people are you?
One.
Tomorrow at 3.

Ich hätte vor Freude alles und jeden umarmen können. Schnell habe ich meine Daten durchgegeben. Als man mir die Bezahlmöglichkeit erklären wollte, habe ich nur gesagt:

Sie sind auf der östlichen Seite des Flughafens? Ich bin auf der anderen Seite. Ich bin in 10 Minuten bei ihnen.

So hatte ich bezahlt und damit verbindlich gebucht und ich wusste, wo ich hinfahren muss. Nun konnte ich den Tag gemütlich ausklingen lassen. Als ich erwähnte, dass mein anderer Flug ausgefallen sei, zeigte man sich sehr verwundert. Es wäre nur in Reykjavík so wolkig, am Vulkan wäre bestes Wetter.

Grótta

Weil noch Zeit war und ich ja auch Leuttürme fotografieren wollte, bin ich auf die Halbinsel Seltjarnarnes hinausgefahren. Diese bildet die nordwestliche Spitze von Reykjavík. Und vor der Halbinsel liegt die Insel Grótta mit dem Leuchtturm. Grótta ware bis zur einer Sturmflut im Jahre 1788  mit dem Festland verbunden. Heute ist sie über den Damm Gróttugrandi bei Ebbe zu erreichen.

Die Insel steht wegen des vielfältigen Vogellebens (über 100 Arten) unter Naturschutz und darf im Sommer mehrere Wochen lang nicht betreten werden.

1897 wurde ein erster Leuchtturm errichtet. Der jetzige stammt aus dem Jahre 1947. Er ist 23 Meter hoch.

Anschließend fuhr ich noch einmal zum Hafen, um bei Krónan einzukaufen. Dann ging es wieder zum Hotel nach Hveragerði.

Donnerstag, 12. August 2021

Hotpot mal anders

  • Wetter

    Temperatur 15 - 18°C ● wolkig, kein Regen ● mäßiger Wind

  • Wegstrecke

    Auto: 173 km / zu Fuß: 4 km

Juhu, es geht zum Vulkan! Da ich kein Risiko eingehen wollte, habe ich für vorher nichts Großes geplant. Zunächst bin ich etwas durch den Stadtpark von Hveragerði gebummelt, wo es auch einen schönen Wasserfall gibt.

In einer Ausgabe von Zauber des Nordens über Hveragerði hatte ich von einer deutschen Familie gelesen, die vor einigen Jahren nach Island ausgewandert war und nun in Hveragerði deutsches Brot backt. Ich wollte zumindest einmal schauen, ob ich die Bäckerei finde.

deutsches Brot

In einer kleinen Seitenstraße wurde ich fündig. Und vor dem Haus traf ich auch den Mann, den ich aus dem Artikel im Magazin kannte, Jens Zenker.

Wir kamen ins Gespräch. Später durfte ich auch zu seiner Frau Dörthe in die Backstube. Diese ist in der umgebauten Garage des Grundstückes untergebracht.

Dörthe Zenker, die zuvor in Berlin als Polizistin gearbeitet hatte, hat hier nach der Auswanderung 2007 mit dem Bäckerhandwerk einen neuen Beruf erlernt. Ihr Mann Jens stammt aus der Sächsischen Schweiz.

Unter dem Namen Litla Brauðstofan wird hier nach deutscher Art unter anderem Sauerteigbrot gebacken. Mit dem Brot werden Geschäfte in der Umgebung beliefert. Mit einem Transporter, dem Brauðstofubíllinn, findet aber auch ein mobiler Verkauf statt. Der Brottruck kommt der in der Saison an täglich wechselnden Orten in der Umgebung zum Einsatz.

Vulkan - Tagebuch

Ich stehe in der Backstube. Mein Telefon klingelt. Eine isländische Nummer. Oh nein, bitte nicht schon wieder Probleme mit dem Flug.

We have good weather and the volcano is very active. Would you like to fly at 12?

Aber natürlich wollte ich! Ich war ja nur eine knappe Stunde entfernt.

Nach sehr netten Gesprächen und mit einem kleinen Brot als Geschenk habe ich mich auf den Weg zum Flughafen nach Reykjavík gemacht. Vielen Dank nochmals.

Norðurflug ist auf der östlichen Seite des Reykjavíker Regionalflughafens angesiedelt. Ich war recht zeitig da. Mit der Zeit trudelten auch die restlichen Flugteilnehmer ein.

Ein unvergessliches Erlebnis

Wir flogen mit einem Airbus EC130 B4. Dieser bietet neben dem Piloten Platz für sechs Passagiere. Und ich bekam den Platz vorn in der Mitte. Bewaffnet mit drei Kameras (Canon EOS R, GoPro Hero9 Black und dem Handy) wartete ich gespannt, dass es losgeht.

Interessant fand ich, das auch der Helikopter ordentlich über die Startbahn des Flughafens abheben muss. Kurz hatten wir einen schönen Blick auf die Stadt, bogen aber sofort nach Südwesten ab.

Auf dem ersten Teil der Strecke war es etwas trüb. Aber dann, nach etwa 10 Minuten Flugzeit, kamen orangefarbene Streifen ins Blickfeld. Lava! Der Vulkan!

Ich lasse jetzt einfach einmal die Bilder sprechen…

In der Nähe des Kraters hat es wegen der unberechenbaren Thermik manchmal etwas gewackelt. Der Pilot hatte davor aber schon gewarnt: Wenn einem schlecht wird, soll er sich melden, bevor ihm ganz schlecht wird. Aber wir haben alle durchgehalten. Der Anblick ließ einfach keine Zeit für Probleme.

Ein paar Videos habe ich auch aufgenommen. Die sechs kleinen stammen von der Canon EOS R, das große ist ein Zusammenschnitt von der fast den gesamten Flug mitgelaufenen GoPro HERO9 Black. Diese hatte ich den Flug über am Ausschnitt meines Shirts angeklemmt.

Leider habe ich mich mit den vielen Kameras etwas übernommen, das Handy kam ja auch noch dazu, wegen Bildern zum gleich verschicken. Wenn ich die Canon zum fotografieren hochgenommen habe, war die GoPro verdeckt. Besser hätte ich sie wohl mit einem Basecap am Kopf befestigen sollen. Oder ich brauche mehr Arme…

Reykjavík von oben

Der Anflug auf Reykjavík bot dann auch noch interessante Bilder. Die zusätzlichen Höhenmeter gegenüber dem Turm der Hallgrímskirkja bieten doch einen erheblichen Mehrwert.

Wieder am Terminal von Norðurflug angekommen, gönnte ich mir erst mal einen kostenlosen Kaffee. Der Chef persönlich lief auch herum und fragte uns, ob es uns gefallen habe. Und wie…

5/5

Ich vergebe 10 von 5 Sternen. Das erlebt man nur einmal.
Dauer: ca. 30 min
Preis: 44.400 ISK / ca. 300 Euro (Stand 2021)

 

dies & das

Den Nachmittag habe ich dann mit Sightseeing im Gebiet um Selfoss verbracht. Zuerst besuchte ich die an der Ringstraße zwischen Hveragerði und Selfoss gelegene Kotstrandarkirkja. Sie wurde 1909 erbaut. Das nächste Ziel war wieder eine Kirche, die Selfosskirkja. Die moderne Kirche wurde von 1952 bis 1954 erbaut. Sie liegt direkt am Ufer der Ölfusá in der Nähe der Ölfusárbrú in Selfoss.

Anschließend fuhr ich über die Straße 34 nach Eyrarbakki. Der kleine Fischerort liegt östlich der Mündung der Ölfusá in den Atlantik. Bis zur Errichtung der Brücke 1988 war Eyrarbakki Fährhafen zum anderen Ufer der Ölfusá.

Eyrarbakki hat viele alte Häuser zu bieten. Mit dem Húsið (‚das Haus‘) steht hier eines der ältesten Gebäude des Landes, es wurde 1765 für den dänischen Handelsdirektor errichtet. Heute steht es unter Denkmalschutz und ist Teil des Museums Byggðasafn Árnesinga.

Ich bin dann der Straße 33 gefolgt. Hinter Stokkseyri steht ein Leuchtturm, der Knarrarósviti. Der 1939 aus Stahlbeton errichtete Turm ist reichlich 26 Meter hoch und damit das höchste Gebäude in Südisland.

Noch ein Stück weiter an der Straße 33 befindet sich die Rjómabúið á Baugsstöðum, die alte Molkerei. Sie stammt von 1905 und produzierte früher Butter und Käse.

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